Sankt Ulrich Verlag, Augsburg, Oktober 2005
Reinhard Backes
Sie werden euch hassen. Christenverfolgung heute
ISBN: 3-936484-58-9, € 16,90 / sFr 29,00


EINLEITUNG

Menschen werden aus politischen, ethnischen oder religiösen Motiven diskriminiert und verfolgt. Selten geschieht dies offen, denn wer so handelt, scheut die Öffentlichkeit. Die, die verfolgt werden, sind deshalb auf Menschen angewiesen, die ihnen Stimme geben, die den Tätern unbequeme Fragen stellen, die sich nicht abweisen lassen, das Unrecht beim Namen nennen und öffentlich machen, was im Verborgenen geschieht.

Auch Christen werden diskriminiert, verfolgt, ja getötet – Tendenz zunehmend. Vordergründig aus religiösen Gründen. Nicht selten sind die eigentlichen Ursachen jedoch politisch-ethnischer und sozial-wirtschaftlicher Natur. Ein Beispiel: Die Bevölkerung in einer Reihe arabischer Staaten ist in den vergangenen Jahrzehnten schneller gewachsen als die Wirtschaft. Diese Gesellschaften sind jung, ein Umstand, der ihnen Zukunft gibt, aber auch Gefahren birgt, weil die wirtschaftliche Stagnation soziale Spannungen nach sich zieht. Demagogen haben leichtes Spiel – zumal die wirtschaftliche Macht und Expansion der entwickelten, westlichen Staaten, die Wachstum und Wohlstand wie selbstverständlich für sich in Anspruch nehmen, in der islamischen Welt als Bedrohung empfunden wird. Die Folgen sind nicht erst seit dem 11. September 2001 spürbar. In arabischen Ländern wächst die gesellschaftlich-politische Bedeutung des Islam – wie der Druck auf die christlichen Minderheiten.

In Europa hat das Christentum an Bedeutung verloren, die Zahl der Gläubigen ist rückläufig – wie, in unterschiedlichem Maße auch die Zahl der Bevölkerungen der einzelnen Staaten. In der übrigen Welt ist das Gegenteil der Fall: In Afrika und Lateinamerika gibt es doppelt so viele Christen wie vor 30 Jahren, in Asien ist ihre Zahl um das Dreifache gestiegen. Von sechs Milliarden Menschen gehören heute mehr als zwei Milliarden christlichen Bekenntnissen an, 1,2 sind Muslime (70 bis 80 Prozent Sunniten, 20 bis 30 Schiiten), 828 Millionen Hindus und 364 Millionen Buddhisten. Die katholische Kirche ist mit mehr als einer Milliarde Gläubigen die größte Glaubensgemeinschaft der Welt. Religiöse Überzeugungen spielen im Alltag dieser Länder eine bedeutende Rolle. Sie schaffen Identitäten, die nicht zwingend zu Konflikten führen müssen, aber dazu beitragen können. In westlichen Gesellschaften ist das alles im Grunde zwar bekannt, einer Mehrheit aber nicht bewusst. Dass Menschen wegen ihres Glaubens benachteiligt, verfolgt oder getötet werden, findet in der Öffentlichkeit kaum Erwähnung.

Dabei stehen gerade Europäer und Nordamerikaner in der Verantwortung, weil sie nach Kolonialismus, Totalitarismus, Holocaust und zwei verheerenden Weltkriegen den Anspruch erheben, weltweit Anwälte elementarer Rechte zu sein; weil Religionsfreiheit zum Selbstverständnis ihrer Gesellschaften gehört; weil sie über die Ressourcen verfügen, Menschenrechte einzufordern und zu verteidigen – und, nicht zuletzt: weil sie eine Weltwirtschaftsordnung verantworten, die Konflikte schürt, ausnutzt oder zu lösen verhindert.

Auf den folgenden Seiten kommen viele zu Wort, die sich für Benachteiligte einsetzen – und selbst Diskriminierung erfahren. Häufig sind es Missionare, Bischöfe, Priester, die Vorsteher der Gemeinden und Gemeinschaften. Sie sprechen für viele, die nicht gehört werden oder selbst nicht mehr reden können. Sie geben Zeugnis von der Lage von Christen in 19 Ländern – islamischen Staaten, kommunistisch regierten und anderen. Vollständigkeit beansprucht die Darstellung nicht – sie steht exemplarisch für das, was Menschen um ihres Glaubens willen erleiden.